Bauherr: Land Brandenburg, vertreten durch das Landesbauamt
Realisierungswettbewerb mit Überarbeitung, 1.Preis 1996

Der neue Sitz des Brandenburger Amtsgerichts ist Teil des Behördenzentrums, das als Umnutzung der ehemaligen Kasernenstadt an der Magdeburger Straße im Westen der Stadt Brandenburg geplant wurde.
Zum Zeitpunkt des Architektenwettbewerbes bot das aufgelassene Areal einen Anblick von Heterogenität und Verwahrlosung. Leer stehende Kasernengebäude  im Nebeneinander mit den bereits sanierten Gebäuden der Verwaltung und der Hochschule. Eine große weitgehend durch Betonplattenbeläge versiegelt Brachfläche bot Platz für wildes Parken, dazwischen vereinzelter Ruderalbewuchs.

"Das Amtsgericht ist in der besonderen Situation, einen Alt- und Neubau durch eine gemeinsame Nutzung zu verbinden und so deutlich zu machen, wie eine vorhandene Struktur durch einen Neubau aufgewertet werden kann", so lautete der Text der Aufgabenstellung zum Wettbewerb
Es ging also nicht nur um die Revitalisierung eines typischen Kasernengebäudes aus den 1930'er Jahren, sondern insbesondere auch um die Zukunftsfähigkeit eines ganzen Quartiers.

Die vier parallelen Kasernengebäude südlich der Magdeburger Straße formulierten durch ihre Position und architektonische Gestalt eine ablesbare städtebauliche Einheit. Der Altbau des zukünftigen Amtsgerichts zeichnete sich im Kontext dadurch aus, dass er gegenüber den drei anderen Bauten kürzer ausgeführt wurde und von der Stadt ausgehend den Auftakt für das Behördenzentrum bildete.

Der Entwurf sollte dem entfunktionalisierten Kasernengebäude den repräsentativen und würdigen Stellenwert eines öffentlichen Gerichtsgebäudes verleihen und gleichzeitig die Eingangssituation für den Stadtraum definieren.

Das Ensemble aus vier parallelen Zeilengebäuden der ehemaligen Kaserne wird durch den Neubau, der das ursprünglich kürzere Gebäude auf die Abmaße der benachbarten Gebäude verlängert, in seiner städtebaulichen Bedeutung gestärkt.
Durch die Gebäudedisposition wird eine eindeutige Orientierung des Hauptzuganges in Verbindung mit dem Vorplatz zur Stadt formuliert.

Der Neubau ist als 'Gerichtssaalhaus' konzipiert und nimmt alle öffentlichen Nutzungen, wie Gerichtssäle, Bibliothek, das Foyer sowie die Cafeteria auf. Der Altbau ist in geeigneter Weise für kleinteilige Büronutzung zugeschnitten und wird dementsprechend umgenutzt.
Im gestalterischen Zusammenspiel von Alt und Neu wird eine gleichförmige Gebäudeabmessung und Dachlandschaft aller vier Häuser des Behördenzentrums erreicht.
Die transparente Fassade des Foyers schafft einerseits eine Platzbild prägende offene und bürgernahe Geste, andererseits stellt sie den innenräumlichen Bezug zum Vorplatz her.

Lage: Magdeburger Straße 47 14770 Brandenburg/Havel
Leistungsumfang: LP 2-6 (teilw.8)
Fertigstellung:
2007
Daten: BGF 6.550m², BRI 23.168m³
Baukosten: 8.750.000 EUR

Fotos: © Werner Huthmacher, Berlin